Aktuell

Bauberichte zum Wagen 19

Seit Oktober bin ich mit drei/ vier Helfern nun jeden Samstag am Arbeiten.

Bisher wurde der gesamte Rahmen mit einem Nadel- Rostklopfer vom losen Rost befreit. Danach wurde er mit  Rostumwandler auf Phosphat Basis (Fertan) gestrichen. Der dünn- flüssige Rostumwandler kriecht in alle Ritzen und Winkel und bildet eine feste Kruste. Auf diese Kruste wird zur Zeit eine Grundierung (Standox 1K Haftprimer) aufgebracht. An der Handbrems- Seite des Wagenkastens sind noch Schweißarbeiten im Gange die ebenso wie das Austauschen der seitlichen tragenden U- Träger zuerst abgeschlossen sein müssen, bevor die Grundierung- Arbeiten abgeschlossen werden können. 

Mehrere Holzbretter und Latten, sowie mehr als hundert Nägel und Schrauben wurden aus der Seitenwänden entfernt, die Löcher mit Holzkitt geschlossen und die Gesamtfläche geschliffen.

 

Beim Schleifen der äußeren seitlichen Beplankung wurden verschiedene Farbschichten freigelegt. Dabei kam neben dem ursprünglichen Kleinbahn Silbergrau RAL 7001 des klassischen Güterwagens, auch das nach dem Umbau zum Behelfspersonenwagen verwendete Flaschengrün  RAL 6007 zu Tage. In dieser Farbe werden wir den Wagen wiederherstellen.

Seitlich unter den Fenstern fanden wir Bleche auf den Holz- Beplankung. Zuerst unerklärlich was soll das Blech dort? War die Holzbeplankung undicht, drang Zugluft oder Wasser dort ein? Bei genauerer Untersuchung kam ein Schriftzug "KERKERBACHBAHN" hervor, welcher auf dem Kopf stand. Wieso dies? War das Schild mal auf einem anderen Fahrzeug? Beim weiteren anschleifen der Lackschichten kam ein Schriftzug "Kerkerbachbahn" wie oben auf dem Bild zu sehen zum Vorschein. Dieser Schriftzug muss Anfang der 50er. Jahre übermalt worden sein, auf keinem der mir vorliegenden Bilder sieht man ein Fahrzeug mit diesem Schriftzug

Die seitlichen U- Träger sind im unteren Bereich stark abgezehrt und müssen ersetzt werden. Sie haben ein Maß von 4,445 x 7,62 und 3,81 x 7,62 cm.Die krummen Maße resultieren aus alten Zoll Maßen, welche vor 110 Jahren verwendet wurden.

Leider gibt es heute nur noch U- Träger mit einer Breite von 80 mm. Ein anschuhen würde zu einer unschönen Kante führen. Lösung ist, dass wir zwei Träger komplett bis zum Dach wechseln und so die oberen Teile der freigesetzten Träger zum Anschuhen der angefressenen Teile verwenden können. So passt es dann auch.

Hier einer der neuen U- Träger mit den Maßen 45 x 80 mm, der Austausch wurde natürlich auch dazu genutzt, das darunter liegende Holz zu schleifen und mit Lack vorzustreichen damit ein vollständige Konservierung gewährleistet ist.Wir werden bei allen seitlichen Trägern, welche angeschuht werden müssen, so verfahren. Der schlechte Zustand der Träger resultiert eben gerade aus eindringender Feuchtigkeit zwischen Holz und Träger. Ein Deckanstrich ist mit einem wetterfesten 2 komponenten Epoxsidharz- Lack vorgesehen.

Oh jeh! Die Diagonalträger am Wagenende der Handbremsseite sehen auch nicht mehr gut aus. Wir werden Sie ersetzen müssen. Der Querträger am Kopf sieht aber noch so gut aus, dass wir nicht glauben dass Dieser noch Original ist. Er wurde wohl von der Kerkerbachbahn mal erneuert.

Das Wageninnere:

Die Schwärze der Träger stammt vom Fertan Rostumwandler. 

Dieser wurde nach dem Rostklopfen aufgetragen und kriecht in jede Ritze. Er bildet eine feste Kruste auf der dann wieder ein Lack haften kann.

Die Jungs von der Grube Fortuna empfahlen mir dann den Haftprimer Standox 1K. Mit diesem Zeug wurden nun alle Eisenteile grundiert. Hier die rotbraunen Träger des Rahmens. In der Bildmitte der massive Träger mit dem der Wagen sich auf die Drehgestelle abstützte

Es geht voran. Das Rotbraun des Primers ist jetzt schon teils mit dem endgültigem Decklack überzogen. Die seitlichen Langträger müssen fertig gestrichen sein, wenn die Bretter der seitlichen Beplankung eingebaut werden sollen. Das unterste Brett setzt sich auf den Träger auf.

An der Handbremsseite ist der obere Kragen des seitlichen Langträgers so stark abgezehrt, dass wir an beiden Seiten ein neues Flacheisen zur Wiederherstellung einschweißen müssen.  Dieses trägt auch die Holzbohlen des  Bodens

Manfred mit dem Trennschleifer. Er ist gelernter Heizungsbauer / Schlosser und in seinem Element.

 

Gut dass wir ihn haben. Er schweißt elektrisch und auch autogen. Dinge die nicht jeder kann. (ich sicher nicht)

Endlich haben wir , nach Rückbau und entrosten, Farbe streichen usw. mit dem Wiederaufbau begonnen. An der rechten oberen Seite des Wagens hatten Ameisen in den Brettern einen Bau errichtet und dabei das Holz total durchlöchert. Die ersten 5 Bretter sind wieder drin. 

Auf der linken Seite sind mittlerweile alle Träger fertig be- arbeitet und die neuen Bretter sind eingezogen. Alle Ritze und Spalte sind mit Dichtmasse versiegelt. Die vorgefundenen Rostschäden am Langträger und den U- Profilen zeigten uns die Wichtigkeit der Maßnahme.

Die beiden U- Träger neben der Tür an der Bremserbühne waren nun die Letzten, die ausgebessert wurden. Dach und Wände sind nun wieder tragfähig.

Die U- Schienen der Kupplungs-Aufnahme waren auch stark verrostet und mußten ersetzt werden. Die hier vorgefundenen Niet- Verbindungen , werden wir mit Schrauben ersetzen. Der Bereich wird durch Bohlen abgedeckt. 

Die ersten Boden- Bohlen sind zurecht geschnitten. Die aufwendige Fase haben wir bei den alten Brettern so vorgefunden. Dies entspricht auch den preußischen Normalien zum Bau von Bahn-

waggon. Nur in offenen Güterwagen werden die Bohlen einfach glatt neben einander gelegt (damit Wasser durch den Wagenboden abfließen kann) Bei geschlossenen Wagen oder Personen-

wagen gibt es immer eine Nut oder Fase. Die Bohlen haben eine Breite von 20,5 cm. So haben wir die Löcher der alten Befestigungspunkte vorgefunden. Noch 37 Bohlen werden folgen.

Nach endlosem Arbeiten an den Kreissäge (eine blieb auf der Strecke wegen Lagerschaden, die zweite war mit den 50er Bohlen überlastet und brannte durch) sind nun die Bohlen zum Einbau bereit. Klammerkopfschrau-

ben M12 mal 80mm halten jeweils zwei Bretter.

 

Leider passen die Bretter nicht immer genau aufeinander. Damit anständige schmale Fugen entstehen, mussten wir einige Bohlen nachhobeln

Fertig!!!

Uff. Die letzten Bohlen bis zur Handbremsbühne sind drin.

Manfred und Siggi arbeiten schon an der Wiederherstellung des Geländers.

 

Der alte Kanonenofen steht schon zum Wiedereinbau/ zur Aufstellung bereit, ebenso wird auch schon an der Wiederherstellung der Gepäcknetzen gearbeitet.

 

Ein Schrank wurde gegenüber der Ofenseite eingebaut. Alles so, wie man es auf den Bild des Innenraums auf der Startseite

 erkennen kann.

 

Durch Zufall konnten wir 90 Meter original Kerkerbachbahn Schienen akquirieren.

Fast alle mit Walz-

prägung BV (Bochumer Verein) 1881 bis 1883. Beim Umbau eines Gebäudes in Dehrn fielen dies an, als der Dachstuhl erneuert werden sollte. Sie entsprechen keiner mir bekannten Bauform, haben aber ca 30 Kilo pro lfd. Meter.

Die neuen Fensterrahmen der Falltaschen- Fenster , vom Schadecker Schreiner Dieter Schmidt gebaut, sind mittlerweile gestrichen und können nach Verglasung eingebaut werden.

 

Auch die erste Seitenwand wurde mit 2 Komponenten- Lack in RAL 6007 Flaschengrün gestrichen. Der Wagenkasten sieht schon fast fertig aus, auch wenn noch viel Kleinkram zu machen ist.

 

An das Dach müssen wir als Nächstes dran.

In die kleine Bahn zwischen der Lahn und dem Westerwald hatte man große Erwartungen gesetzt, die nicht, oder nur zum Teil erfüllt wurden. Sie wurde in eine unruhige Zeit hineingebaut.

Der 1. Weltkrieg, die Inflation, die Rhein-Ruhrbesetzung der Franzosen, die hohen Reichsbahn-Frachttarife, der 2 Weltkrieg,der aufkommende Güter-Straßenverkehr......... viele Faktoren standen gegen eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung. Mehr als einmal stand die kleine Bahn fast vor den Aus. Trotzdem hat sie fast 90 Jahre die Landschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und die Menschen am Kerkerbachtal begleitet und geprägt.

Hier soll an Sie erinnert werden, damit sie weiterlebt. Auf den Festplatten der Rechner, in den Köpfen und den Herzen der Menschen.