Das Ende der Kerkerbachbahn

Stlllegung der Schmalspurstrecke

Mit den verbesserten Straßen und dem LKW Verkehr konnte die Kerkerbachbahn nicht mehr konkurieren. Nachden auch der letzte größere Kunde, die Tongruben bei Heckholzhausen angekündigt hatte, seinen Verkehr auf LKW umzustellen, war das "Aus" für die Schmalspurstrecke besiegelt.

Schon vorher waren Eisenerzgruben, Basaltbrüche und Schamottverladung eingestellt worden. Der Versuch, noch einen Rollbockverkehr mit Regelspurwagen aufzuziehen scheiterte am Lichtraumprovfil der Strecke und den Laderampen.

Der Antrag auf Entbindung von der Betriebspflicht wurde an 26.09.1960 gestellt und zum 01.12.1960 bewilligt. Der letzte Zug fuhr am 17.12.1960.

Im Jahre 1961/62 wurde die Schmalspurstrecke abgerissen und auch das 3. Gleis Richtung Dehrn zurückgebaut. Dampfloks und Wagen wurden verkauft oder Verschrottet.

 

 

 

Betrieb auf der Unteren Strecke bis 1975

Auch wenn nun nur noch 3,9 Kilometer Strecke übrig waren, lagen dort doch mit dem Kalkwerk Steeden und verschiedenen Firmen in Dehrn, Kunden die für ein hohes Wagenaufkommen sorgten. Täglich ging ein Güterzug mit Kalkschotter und Kalkkübelwagen nach Ludwigshafen zur BASF, den die KB in Kerkerbach für die Bundesbahn bereitstellte . So konnte die kleine Bahn weiterhin gut leben. Man angagierte sich nun ebenfalls mit Lastwagen im Transportgeschäft auf der Straße. Mit eigener LKW Werkstatt und LKW- Niederlassungen in Kerkerbach und München- später Karsruhe. Überwiegend Silo- und Tankfahrzeuge waren im Einsatz.

 Im Jahre 1974 aber glaubten die Aktionäre, man könne ausserhalb der Eisenbahn  mehr Geld verdienen. So übernahm die Bundesbahn am 01.01.1975 den Rest der Kerkerbachbahn mit Personal, Strecke und Bahnfahrzeugen. LKWs wurden an die Fa. Edgar Grass Obertiefenbach verkauft.

 

 

 

Betrieb ab 1975 mit der Bundesbahn

Nach Aufzeichnungen gingen Anfangs täglich ca. 20 Wagen in Kerkerbach ein und ab.

Auch nach Einstellung des Ganzzuges nach Ludwigshafen war das Wagen-Aufkommen erheblich. Kalkwerke Steeden, , Nassauische Terazzowerke, Plastipol, Tetra Pack, und insbesondere der Landhandel Egenolf sorgten für Umsatz und Betrieb. War doch die Fa. Egenolf in den 80ern der Hauptimporteur für alle Massey- Ferguson Landmaschinen aus Frankreich.

In den 90ern wurde es aber immer weniger und mit dem Rationalisierungs-Progamm MoraC der Deutschen Bahn im Jahre 2000 wurde der Verkehr endgültig eingestellt.

 

 

 

 

Der Kalkverkehr heute

Das auf der Strecke Kerkerbach- Steeden- (Ludwigshafen) wieder ein Kalkverkehr stattfindet, haben wir dem Gemeinderat der Stadt Stromberg (Hunsrück) zu verdanken. Dieser verweigerte die Erweiterung des dortigen Kalkbruchs, was eine Schließung des dortigen Kalkwerks zur Folge hatte. Die BASF bezog von dort ihren Kalk für chemische Zwecke.

Aus diesem Grund war plötzlich wieder das Kalkwerk Steeden im Rennen und die Strecke für den Kalktransport wurde reaktiviert. Der Neubau von 2 Kalköfen, die Umgehungsstraße mit Verlegung der Gleisanlagen und neuer Werkszufahrt haben das Gelände großräumig verändert.

Die Strecke nach Dehrn ist in einem Radweg, sowie einem Neubaugebiet aufgegangen. Steeden - Kerkerbach wird aber auf alter Trasse befahren. Vier mal die Woche verlässt ein Zug mit 8-10  vierachsigen Silowagen das Werk.

 

 

 

 

 

In die kleine Bahn zwischen der Lahn und dem Westerwald hatte man große Erwartungen gesetzt, die nicht, oder nur zum Teil erfüllt wurden. Sie wurde in eine unruhige Zeit hineingebaut.

Der 1. Weltkrieg, die Inflation, die Rhein-Ruhrbesetzung der Franzosen, die hohen Reichsbahn-Frachttarife, der 2 Weltkrieg,der aufkommende Güter-Straßenverkehr......... viele Faktoren standen gegen eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung. Mehr als einmal stand die kleine Bahn fast vor den Aus. Trotzdem hat sie fast 90 Jahre die Landschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und die Menschen am Kerkerbachtal begleitet und geprägt.

Hier soll an Sie erinnert werden, damit sie weiterlebt. Auf den Festplatten der Rechner, in den Köpfen und den Herzen der Menschen.